Sonja Fröse

Fachautorin für Pflege

Nachhaltigkeit und Müllvermeidung in der Alten- und Krankenpflege

Unverpacktläden haben einen ganz besonderen Flair von Nachhaltigkeit. Produkte wie Nudeln, Reis und andere haltbare Lebensmittel werden in großen Behältern gelagert und vor Ort in entsprechende Portionsgrößen in wiederverwandbare Verpackungen abgefüllt. Diese wird entweder selbst mitgebracht oder vor Ort gekauft - selbstverständlich jedoch nur zum Wiederverwenden. 

Dabei wurde dies in Zeiten von Tante Emma-Läden und vor dem heute bekannten Supermarkt-Einkaufsmodell genauso gehandhabt. Die Discountläden haben dann nur noch den Schritt weggelassen, die einzeln verpackten Produkte von der Palette einzeln ins Regal einzusortieren. Noch vor vielleicht 20 Jahren wurden mehr Lebensmittel in Papier verpackt oder Umverpackungen weggelassen als heutzutage, trotz der vielen Bemühungen zur Müllvermeidung. Das Einkaufsnetz für den täglichen Einkauf war obligatorisch. Waschmittel gab es in großen Pappkartons, Seife gab es nur am Stück. (Wer kennt noch den magnetischen Seifenhalter? Das Seifenstück wurde in den Magnet gebort oder andersrum, damit die Seife nicht im Wasser schwamm und aufweichte).

Wer kennt Geburtstage und Weihnachtsfeste, bei denen die Oma oder Großtante das Geschenkpapier nach dem Auspacken glättete und ordentlich zusammenfaltete, um es wieder zu verwenden? (Das Auspacken wurde begleitet von "Nicht reißen!"-Ausrufen) Gläser und Flaschen wurden aufgehoben für selbstgemachte Marmelade und Obstmus oder um andere Dinge hineinzufüllen. Hierzu finden übrigens Interessierte viele Anregungen auf Pinterest oder andere sozialen Medien.

Soweit zu den Gegebenheiten bei den Lebensmitteln. Was ist jetzt mit der Kranken- und Altenpflege? Zunächst gilt, dass selbstverständlich die ganzen Ein-Personen-Haushalte von Senioren, die von Pflegenden Angehörigen und/ oder ambulanten Pflegediensten unterstützt werden, genauso im Lebensmittel- und Alltagsbedarf auf Verpackungen achten sollten und könnten. Durch entsprechene Kooperationen können bedarfsgerechte Größen gekauft werden und Müll vermieden werden. 

Zu viel Einmal- und Verpackungsmaterial in der Pflege

Im Zusammenhang mit der Versorgung von Senioren und pflegebedürftige Menschen durch Dienstleister wie Essen auf Rädern oder Zulieferer für Verbands- und Inkontinenzmaterial, Medizinprodukte wie Sauerstoff- oder Ernährungsschläuche oder Ablaufbeutel entsteht häufig viel Müll. Dazu kommen Pflegematerialien wie Handschuhe, neuerdings Mundschutz, Schuhüberzieher, Einmalschürzen und Wischtücher.

Da können SeniorInnen schon auf den Gedanken kommen benutzte Einmalprodukte auszuwaschen und zum Trocknen auf die Heizung zu legen. So ist Nachhaltigkeit nicht gedacht!

Nachhaltiges Inkontinenzmaterial für Erwachsene

Während für Babies und Kleinkinder ein Trend zur waschbaren Windel erkennbar ist, ist dies in der Pflege von Senioren leider nicht der Fall. Dabei ist rund 80 % des entstehenden Mülls in Pflegeheimen Inkontinenzmaterial.

Waschbare Slipeinlagen und Binden wäre für Tröpfchen- und Belastungsinkontinenz ein erster Schritt für mehr Nachhaltigkeit ohne Einbußen von Bequemlichkeit oder Hygiene. Schwieriger wird es bei einer kompletten Harn- und Stuhlinkontinenz.

Die Gründe für die Nutzung von waschbaren Inkontinenzversorgung sind häufig

Waschbare Slipeinlagen sind mittlerweile im Drogeriemarkt in verschiedenen Farben erhältlich. Die Saugstärke ist für Harninkontinenz nicht geeignet. Das ist bei Einmalslipeinlagen allerdings auch nicht der Fall.

Mittlerweile bieten viele Anbieter für Babywindeln auch Produkte für Erwachsene an. Diese sind dezent gemustert und wirken nicht so steril wie einzelne Angebote in Sanitätshäusern. Wer das Problem von „zerpflücktem“ Inkontinenzmaterial kennt, sollte es daher mit den nachhaltigen und wiederverwendbaren Produkten probieren. Ein Garant ist es nicht, aber auf jeden Fall einen Versuch wert.

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