Sonja Fröse

Fachautorin für Pflege

Endlich Online - Senioren, Angehörige und Pflegekräfte profitieren von zahlreichen Internetmöglichkeiten!

Endlich Online - Senioren, Angehörige und Pflegekräfte profitieren von zahlreichen Internetmöglichkeiten!

Bildquelle: www.pixabay.de

Terminvereinbarungen, Videotelefonie, Text- und Bildnachrichten, Beschäftigungsangebote, Online-Banking, Anträge stellen, Steigerung des Wohnkomforts durch Smart-Home-Lösungen (einzelne Dinge in Haus oder Wohnung „fernsteuern“) oder Bestellungen aufgeben - heutzutage geht vieles online, also übers Internet.

Wer kein Internet hat, ist offline, also nicht angeschlossen. Das klingt nicht schön und ist es auch nicht. Es klingt nach Abstellgleis und ausgeschlossen sein. Fast niemand kann sich mehr erlauben, offline zu sein. Ähnlich wie Wasser- und Stromversorgung ist ein funktionierender Internetanschluss mittlerweile fast unverzichtbar. Soziale Teilhabe ist größtenteils ans Internet geknüpft. Egal welches Alter, egal welche Gründe dahinterstecken, bisher nicht online gewesen zu sein – wer online ist, ist dabei und kann an vielen Möglichkeiten teilhaben, die sonst verschlossen bleiben.

Heute kann niemand mehr sagen, das Internet nicht zu brauchen!

Mit dem Internet Anschluss allein ist es aber für viele Menschen und vorallem für viele Senioren nicht getan. Senioren (ab 65 Jahre) und hochaltrige Menschen (ab 80 oder 85 Jahre) sind die größte Bevölkerungsgruppe, die aktuell das Internet nicht oder nur sehr selten nutzen. Das merken die Familien, Freunde und zahlreiche Leistungsanbieter, die sich gerne mit Ihnen verbinden wollen. Zwischenzeitlich sind sicher viele Menschen mehr oder weniger ungewollt offline. Sie wissen nicht, wie sie den Einstieg finden und schaffen können. Haben gar Ängste, sich die Blöße zu geben, den Anschluss verpasst zu haben und scheinen resigniert zu haben: „Jetzt ist es eh‘ zu spät!“

Definitiv Nein! Einzelne Möglichkeiten der Internetnutzung können alle lernen oder mit Hilfe nutzen.  Im Vordergrund stehen dabei Teilhabe und Sicherheit, mehr Lebensqualität und ein großer Schritt nach vorne für uns als Gesellschaft! Denn jede/r Internet-NutzerIn kann bereits vorhandene Leistungen nutzen oder dazu betragen, dass neue sinnvolle Möglichkeiten entstehen.

Gerade im Bereich von Gesundheit, Prävention und Vereinfachung von Abläufen haben sich viele Online-Angebote bewährt.

Leistungs- und Produktvielfalt nur online

Viele Leistungen und Produkte können ausschließlich online gebucht oder gekauft werden. Immer mehr Services sind nur noch online erreichbar. Dies betrifft sowohl öffentliche Stellen wie Einwohnermelde- und Versorgungsämter, Banken und andere offizielle Behörden, aber auch alle Art von Veranstaltungen (Theater, Museum, Zoo, Kino, …), sowie Arzt- und Therapiepraxen.

Neben dem Internet-Anschluss, der meist eine Ergänzung des bestehenden Telefonanschlusses ist oder den ungenutzt viele sogar schon haben, benötigt man mindestens ein Gerät zur Nutzung. Stellt sich die Frage nach der Anschaffung eines entsprechenden Gerätes: Smartphone, Tablet, Computer, SmartSpeaker (dieser allein reicht nicht) oder Laptop.

Die Antwort richtet sich nach mehreren individuellen Faktoren: Was soll überwiegend mit dem Gerät gemacht werden? Wie gut ist die Seh- und Hörfähigkeit? Wie gut ist die Fähigkeit mit Tastatur, Touchscreen oder Eingabestift umzugehen? Welche Kosten dürfen entstehen? Soll nur ein einzelnes Gerät angeschafft werden oder weitere?

Komplettpaket: Gerät und Schulung

Neu-EinsteigerInnen benötigen speziell für ihre Bedürfnisse zugeschnitte Leistungen im Bereich der Schulung. Der Umgang mit dem neuen Medium darf keine Ängste verursachen und bereits vorhandene Hemmungen müssen abgebaut werden. Angehörige, Beratungspersonen und Pflegekräfte sollten da gezielt auf entsprechende Dienstleister verweisen.

Umso klarer die Vorteile der Internet-Nutzung sind, desto höher ist die Motivation zur Nutzung. Welche Bedürfnisse können gestillt werden? Kommunikation, Selbständigkeit oder Beschäftigung? Darauf wird dann der Fokus gesetzt. Der Kauf und die anschließende Schulung sollten möglichst zusammen erfolgen. Dabei ist die Nutzung des neuen internetfähigen Gerätes vergleichbar mit einem Paar neue Schuhe: regelmäßig tragen und darin gehen (vielleicht eine Blase holen, denn kleine Fehler zum Lernen dürfen gemacht werden), dann läuft es sich prima!

Nach und nach werden die einzelnen Möglichkeiten und Anwendungen erlernt und in geschützter Atmosphäre geübt. Erste Erfolge machen Mut, weiter am Ball zu bleiben. Es reichen wenige Erklärungen, um Nachrichten zu schreiben oder im Internet zu surfen.

Ein praktisches Beispiel: Die tägliche Zeitung liegt vom Regen aufgeweicht auf der Türmatte oder kam ärgerlicherweise mal wieder zu spät oder gar nicht. Wer online ist, kann sich die Zeitung auf den Bildschirm holen! Die Zeitung wird immer rechtzeitig da sein. Die einzelnen Artikel können in angenehmer Größe dargestellt werden und sogar Bekannten einfach und schnell online weitergeleitet werden. Keine Papierberge, die entsorgt werden müssen.

Bedürfnis: Kommunikation

Viele Menschen haben Verwandte und Freunde in weiter Entfernung oder gar im Ausland. Wie schön war es früher einen Brief oder eine Postkarte zu bekommen?! Reisen sind zu teuer, zu anstrengend und seit der Corona-Pandemie durch nationale und internationale Regelungen zusätzlich eingeschränkt.

Nun haben Videotelefonie, Bild- und Textnachrichten die Kommunikation beschleunigt und auf ein anderes Niveau angehoben. Es ist ein anderes Erlebnis im Gespräch mit den (Ur-)Enkelkindern das selbstgemalte Bild zu sehen oder den neugelernten Handstand! Spätenstens wer einmal Teilnehmer eines solchen Gesprächs war, möchte nicht mehr zurück zu einem „normalen“ Telefonat.

In Gruppen- und Familienchats werden Informationen, Neuigkeiten und Witze ausgetauscht. Da können die Senioren zunächst gerne passiv mitlesen, was schon eine enorme Freude und Teilhabe bedeutet. Im zweiten Schritt dann selbst aktiv werden und selbst Bilder, Texte oder Sprachnachrichten verschicken.

Wer niemanden hat und kennt, kann nun Bekanntschaften schließen. Über spezielle Nachbarschafts-Apps oder Interessengruppen finden sich schnell Gleichgesinnte. Die Videotelefonie kann mit entsprechenden Halterungen und Ständern für alle Beteiligten einfach und bequem gestaltet werden. Einmal die entsprechende Position einstellen, ggf. markieren und beim nächsten Mal wieder genauso machen. Dabei können mit entsprechend professioneller Schulung lästige Anfangsfehler vermieden werden.

Erhöhung der Selbständigkeit und Erleichterung im Alltag

Online-Überweisungen ohne zur Bank zu gehen, Rezepte beim Arzt bestellen ohne lange in der Warteschlange am Telefon vertröstet zu werden, Dienstleistungen und Terminvereinbarungen für Frisör, Fußpflege oder Therapien. Smart Home Lautsprecher erinnern an Termine, Medikamenteneinnahme und ans Trinken, sie spielen die Lieblingsmusik, benennen die aktuelle Uhrzeit oder das Wetter um sich entsprechend anzuziehen oder den Regenschirm nicht zu vergessen. Eine sprachaktive Steuerung für Steckdosen kann Geräte ein- und ausschalten beispielsweise einen Ventilator oder das Deckenlicht - Nicht nur beim nächtlichen Toilettengang.

Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen klagen seit langem über Personalmangel, generell die gesamte Pflegebranche. Familienmitglieder sind selbst berufstätig. Per Sprachassistent das Licht zu steuern oder einen Telefonanruf zu tätigen erhöht die Selbstständigkeit und Sicherheit.

Schritt für Schritt sollten Senioren (und deren Angehörigen) die vielen Möglichkeiten kennenlernen, die das Internet ihnen bereitstellt. Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen profitieren genauso wie Angehörige. Letztlich lassen sich viel Geld und Zeit sparen, weil bestimmte Leistungen selbst getätigt werden können oder es Rabatte gibt, wenn Online-Angebote genutzt werden.

Ein praktisches Beispiel: Frau H. ist wegen einer Makuladegeneration zunehmend erblindet. Sie kann die Uhr nicht mehr lesen. Mehrfach täglich lässt sie sich die Uhrzeit vom Smartphone vorlesen. Beim Telefon fällt es ihr schwer, die richtigen Tasten zu betätigen oder auch den Hörer länger ans Ohr zu halten. Sie kann ihrem Smartphone sagen, dass es „Gabi“, ihre Tochter anrufen soll. Das Gerät bestätigt: „Rufe Gabi zu Hause an.“ Dann hört Frau H. das Tuten und anschließend die Stimme ihrer Tochter. Frau H. kann einfach in den Raum sprechen und hört die Stimme ihrer Tochter über den Lautsprecher.

Mitarbeiter in der Pflege und Betreuung könnten deutliche Entlastung erfahren, wenn Smartspeaker und internetfähige Geräte Einzug in stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen hielten und diese entsprechend genutzt werden. Gemeinsam mit den Senioren und einer kompetenten Schulung ließen sich so die vielen praktischen Hilfen erlernen. Gehen Sie es an – umso früher, desto besser!

Diesen Artikel finden Sie auch auf der Homepage von https://mawoka.de - einem Anbieter für Internet- und Smartphone-Schulungen. Vielen Dank für die Möglichkeit der Vernetzung!

 

 

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